Sueddeutsche.de: "Wie Hass und Hetze Politiker verändern"

Die Süddeutsche Zeitung mit einem Stimmungsbild über körperliche und verbale Gewalt gegen Politiker und den persönlichen Erfahrungen von Dr. Götz Frömming dazu:


Ehrverletzende Briefe, verbale Aggressionen, sexistische Gewaltandrohungen, all das ist Teil des Alltags von Politikern geworden. Wie verändert das einen? Die SZ hat mit sieben Betroffenen gesprochen - über Hass, Angst und Mut.


"Geh sterben" steht in der Betreffzeile der Mail, die Götz Frömming der SZ zur Verfügung stellt. Der Absender ist anonym geblieben. Auf der Mail steht, dass sie den AfD-Parlamentarier über das Kontaktformular des Bundestags erreichte. "Hey Drecksnaziarschloch, häng dich auf oder wir hängen dich auf", steht da, und: "Die Galgen werden bereits für euch aufgestellt. Zuerst machen wir eure Familien platt, zünden eure Häuser an bevor euch Drecksnazis öffentlich auslöschen. Wir fangen mit dir heute noch an. Naziabschaum."

Frömming ist keiner von denen, die durch Provokationen auffallen wollen. Der 50-Jährige Studiendirektor hat bis zum Einzug in den Bundestag als Lehrer an einem Gymnasium gearbeitet, kümmert sich in der AfD-Fraktion um Bildungspolitik. Er hat sich angewöhnt, Hassmails gleich wegzudrücken. Aber es sind nicht nur die Mails. Es gehört zum Alltag, dass die AfD sehr schwer Räume für Veranstaltungen findet und gelernt hat, stets der Polizei Bescheid zu sagen, wenn sie Bürger einlädt. Selbst wenn die Polizei im Raum sei, gebe es massive Störungen. Längst gelte, dass niemand ohne Voranmeldung kommen könne, "anders geht es nicht".

Das kann er kontrollieren, die Veränderungen in seinem Privatleben weniger. Frömming beschreibt ein Phänomen, von dem viele AfD-Politiker berichten: Viele Freunde wandten sich ab, bei manchen auch nahe Verwandte. Er sei von Partys ausgeladen worden, weil andere Gäste sonst nicht gekommen wären. Es habe geheißen: Entweder der oder wir. "Es gibt so eine Art Sippenhaft." Der Bann treffe auch seine Frau, die mit der AfD nichts zu tun habe.

Wenn er in Berlin unterwegs sei, gucke er "in bestimmten Gegenden genau: Wer ist hier, wer beobachtet mich?". Einmal sei er von jungen Antifa-Leuten im Dunkeln verfolgt worden. Eine frühere Schülerin sei dabei gewesen, sie hätten dann diskutiert. "Aber man fragt sich immer: Bleibt es auch dabei?" Frömming erzählt von Kneipen in Kreuzberg, in denen er sich gern mit Freunden traf. "Du warst Stammgast, und jetzt gibt es Situationen, wo du merkst, es könnte besser sein zu gehen, oder du meidest den Ort ganz." Er habe nun häufig ein mulmiges Gefühl: "Der Bewegungsradius schränkt sich ein. Man kann nicht mehr alles machen, was man früher gemacht hat." Frömming sagt: "Mein Eindruck ist, dass bei politisch motivierter Gewalt niemand aus dem Nichts angegriffen wird. Es geht immer eine Stigmatisierung voraus. Die Gewalt fängt also vorher an."

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