Vor 80 Jahren – Flucht und Vertreibung der Deutschen
- 25. Juni
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Dr. Götz Frömming (AfD):
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Der Dichter Gottfried Benn wuchs in der Neumark auf, einem Gebiet östlich der Oder. Nach dem Krieg wurden die deutschen Bewohner vertrieben, die Ortsnamen geändert und die Region polnisch besiedelt. In einem Gedicht schreibt er:
„[…] der Garten in polnischem Besitz,die Gräber teils-teilsaber alle slawisch,Oder-Neiße-Linie […]“
Wie Millionen andere, betrifft mich das Thema auch persönlich. Meine Familie stammt väterlicherseits aus Pommern, hat Haus und Hof verloren. Meine Großmutter ist mit drei Kindern geflohen. Als der Großvater aus der Gefangenschaft zurückkehrte, fragte der eigene Sohn: Mutti, wer ist der fremde Mann da?
Rund 14 Millionen Deutsche haben nach 1945 ihre Heimat verloren. Mehr als eine halbe Million Menschen starben bei Flucht und Vertreibung, wurden erschossen, erschlagen oder sind erfroren. Hundertausende Mädchen und Frauen wurden von den Soldaten der Siegermächte vergewaltigt. Es war die größte ethnische Säuberung und Zwangsmigration der Geschichte. Es war ein Bruch des Völkerrechts und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
(Beifall bei der AfD)
Daran zu erinnern, meine Damen und Herren, hat nichts mit Aufrechnung oder Revanchismus zu tun. Gewiss, diese Vertreibung hätte es nicht gegeben ohne den deutschen Krieg im Osten. Das polnische Volk hat unter dem nationalsozialistischen Besatzungsterror entsetzlich gelitten, aber auch unter dem Terror Stalins. Rund 2 Millionen Polen wurden ihrerseits aus den von der Sowjetunion annektierten polnischen Ostgebieten nach dem Westen deportiert, um dort in die von den Deutschen verlassenen Häuser einzuziehen. Jedenfalls sind nach dem Zweiten Weltkrieg 900 Jahre Deutschtum in Osteuropa nahezu ausgelöscht worden.
Die Geschichte der Ostdeutschen, ihre Kultur, ihre Leistungen und ihr Schicksal - ein Kant, ein Eichendorff -, all das darf nicht vergessen werden. Es war deshalb richtig, dass die Bundesregierung die von den Grünen veranlasste Streichung der Worte „der Deutschen“ aus dem Namen des „Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa“ rückgängig gemacht hat.
Mit dem Aussterben der Erlebnisgeneration wird unsere Pflicht zu erinnern nicht geringer. Im Gegenteil: Sie wird größer. Und das tun wir gemeinsam mit unseren östlichen Nachbarn. Viele Deutsche, meine Damen und Herren, haben Freunde oder Verwandte zum Beispiel in Polen und umgekehrt. Man feiert und lacht zusammen. Es sind nie die einfachen Menschen, die gegeneinander Krieg führen wollen. Es sind immer die Regierungen, die es ihnen einreden.
Vergessen wir das nicht, gerade in diesen Tagen, damit nicht die elegischen Worte eines anderen deutschen Dichters, Botho Strauß, die letzten sind: „So viel Geschichte, um so zu enden?“
Ich danke Ihnen.
(Beifall bei der AfD)